Aktuelle News für den Energiemarkt

Neues Gutachten vermutet Strompreiserhöhungen um 70 %

16.05.2012

Strom in Deutschland schon heute 40 % teurer als in Frankreich

Foto: bas: il/flickr

Die Stuttgarter Zeitung  und Der Focus  berichten über ein im Auftrag der baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHK) durch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erstellte Gutachten zur Energiewirtschaft. Peter Kulitz, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags, befürchtet, dass Risiken der Energiewende nicht klar gesehen werden – hinsichtlich Liefersicherheit und Preisentwicklung. Das KIT hat Untersuchungen für Extremsituationen wie den Bedarf von 12 Gigawatt für Januar 2025 – also nach dem Abschalten des letzten AKW in Deutschland – vorgenommen und festgestellt, dass es zu einer Leistungslücke von 6,5 Gigawatt kommen kann. Deshalb empfehlen die Experten des KIT den Bau von zusätzlichen Pumpspeichern, Anlagen zur Kraft-Wärme-Koppelung sowie Gaskraftwerken. Sowie den Import von weiteren Strommengen – sofern diese zur Verfügung stehen.

Neben einer möglichen Versorgungslücke sind nach dem Gutachten auch Preiserhöhungen wahrscheinlich. Das KIT sagt einen Anstieg der Großhandelspreise um 70 % voraus. Dabei ist Strom schon heute beispielsweise in Frankreich rund 40 % billiger als in Deutschland – was deutlich auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie drückt.

Industrie leidet unter hohen Stromkosten

11.05.2012

Staatliche Zuschüsse in Milliardenhöhe gefordert

Global2000/flickr.com

Das manager magazin  schreibt heute online vom „Strompreis auf Explosionskurs“.

Demnach wird der Ausbau erneuerbarer Energien schon ab 2013 die Stromkosten erneut deutlich treiben. Aktuell liegt die EEG-Umlage bei 3,592 ct/kWh, nach neuen Berechnungen wird die Umlage im kommenden Jahr möglicherweise sogar über 5 ct/kWh liegen. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte zwar zuvor eine Grenze von 3,5 ct/kWh, doch diese scheint nun deutlich überschritten zu werden. Für viele Industrieunternehmen würden Stromkosten auf einen Schlag um rund 10 % steigen, so das Magazin. Im europäischen Wettbewerb verschlechtern die hohen Stromkosten die Chancen deutscher Unternehmen deutlich.

Kostentreiber sind vor allem der starke Zubau an erneuerbaren Energien sowie die Marktprämie. Diese schafft einen Anreiz für Anlagenbetreiber ihren Strom eigenständig zu verkaufen. Heute nehmen z. B. rund 60 % der Windkraftanlagenbetreiber die Prämie in Anspruch, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs (CDU), gegenüber manager magazin online. Derweil sagte Katherina Reiche (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, im März gegenüber dem Magazin: „Es ist kein Geheimnis, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien trotz abgesenkter Vergütungssätze nicht zum Nulltarif zu haben ist.“

Heute sind nicht einmal 1.000 energieintensive Unternehmen von der EEG-Umlage befreit. Im Gegenteil: 99 % der Unternehmen zahlen die EEG-Umlage in voller Höhe. Nun setzen erste Unternehmen die Zahlungen der EEG-Umlage aus und fordern Unterstützung durch den Staat. Verbraucherzentralen-Energieexperte Holger Krawinkel spricht von einer „Kostenbremse für das EEG“ und fordert: „Alles was über die 3,5 Cent geht sollte aus dem Staatshaushalt bezahlt werden.“ Nach seinen Berechnungen würde das einem Zuschuss von Bund und Ländern in Höhe von bis zu 6 Milliarden EUR bedeuten. Alternativ wären diese Kosten möglicherweise von der Industrie zu tragen.

Deutsches Stromnetz an Belastungsgrenze

09.05.2012

Bundesnetzagentur warnt vor Engpässen bei der Stromversorgung

Foto: kre8tiv/flickr.com

Unterschiedliche Medien wie u. a. die Süddeutsche Zeitung
 und Die Welt berichten von der Sorge um den schleppenden Stromnetzausbau.

Denn um eine deutschlandweite Stromversorgung zu gewährleisten, müssen die Transportwege dringend ausgebaut werden. Es handelt sich um kalkulierte 1.834 Kilometer neuer Leitungen – bislang läuft dies allerdings nur sehr langsam. Es sind gerade einmal 214 Kilometer gebaut und davon sind weniger als 100 Kilometer tatsächlich in Betrieb genommen. 1.620 Kilometer befinden sich derzeit nur in der Planung. Problematisch ist neben den hohen Kosten auch der Umstand, dass einzelne Stromtrassen durch mehrere Bundesländer hindurch laufen sollen und die einzelnen Streckenabschnitte nicht parallel fertig gestellt werden. Dies verzögert die Inbetriebnahme zusätzlich.

Die Bundesnetzagentur sagt, dass die Fertigstellung der neuen Trassen zum Teil erneut um ein bis zwei Jahre verschoben werden muss. „Für die Energiewende ist dies eine besorgniserregende Nachricht“, so Jochen Homann, der neue Chef der Behörde.

Mit einer angespannten Situation rechnet Homann vor allem im kommenden Winter. Er glaubt, dass auch dann sogenannte Kaltreserve zum Einsatz kommen werden. Schon zwischen Ende 2011 und Anfang 2012 wurde bereits dreimal auf ältere Kraftwerke, zurückgegriffen, die seit der Abschaltung von ersten deutschen Atomkraftwerke für Engpässe in Bereitschaft gehalten werden. Hinzu kommt ein Eingreifen der Netzbetreiber, um Schwankungen auszugleichen.

Es ist unklar, wie sich die Stromversorgung in der Zeit bis 2020 gestalten wird. Diese Unsicherheit wird dadurch verstärkt, dass weitere Kraftwerke möglicherweise vom Netz gehen werden – schlichtweg weil sie nicht mehr lukrativ sind. Deshalb fordert die Bundesnetzagentur, dass künftig auf Kraftwerksstilllegungen verzichtet wird. Welche Kosten auf den Verbraucher zum Erhalt der Kaltreserven zukommen, ist bislang allerdings nicht klar.

Einmal ans Netz angeschlossen übertrifft Windpark Erwartungen

04.05.2012

Baltic 1 versorgt 50.000 Haushalte mit Strom

Bildquelle: EnBW

Der NDR berichtet online über das einjährige Jubiläum des ersten kommerziellen Offshore-Windparks „Baltic 1“ in der Ostsee. Die Anlage vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns wurde von Bundeskanzlerin Merkel in Betrieb genommen, um „ein neues Kapitel der Energiegewinnung in Deutschland“ aufzuschlagen.

Seit seiner Inbetriebnahme produzieren 21 Windkraftanlagen Strom für rund 50.000 Haushalte. EnBW-Vorstand Villis sagte gegenüber der dpa, dass die Erwartungen des Konzerns noch übertroffen wurden (vgl. Focus).

Dabei hatte der Windpark einen schwierigen Start: jahrelang haben Bürgerinitiativen gegen das Projekt geklagt. Schließlich scheiterten die Gegner vor dem Oberverwaltungsgericht Greifswald. Nach Aussage des Bürgermeisters von Zingst, einst in einer Bürgerinitiative engagiert, sind die befürchteten negativen Auswirkungen auf Tierwelt und Tourismus jedoch ausgeblieben.

Inzwischen liegen mit „Baltic 2“ Pläne für einen größeren Windpark vor. Er soll in 2013 mit den ersten Windkraftanlagen ans Netz gehen. Dort soll, wenn die Anlagen ans Netz gegangen sind, Strom für 340.000 Haushalte erzeugt werden.

Bleibt zu hoffen, dass sich der Netzanschluss für „Baltic 2“ weniger schwierig gestaltet als für „Baltic 1“. Denn während es zu Baubeginn noch hieß, „Baltic 1“ solle zum Ende des Jahres 2010 in Betrieb genommen werden, ging der Windpark schließlich erst Monate später im Mai 2011 ans Netz. 50Hertz Transmission, der zuständige Netzbetreiber, hat einen zu hohen Wellengang oder andere Naturgewalten wie zu dickes Eis als Gründe angeführt, die den Anschluss verzögert haben. Eine Millionenklage von EnBW gegenüber dem Netzbetreiber ist noch offen.

Möglicherweise beschleunigter Netzausbau möglich

25.04.2012

Netzbetreiber Amprion stellt neue Technologie vor

Foto: Württembergische Energie

Für eine erfolgreiche Energiewende mit bundesweiter Versorgungssicherheit genügt der Zubau von erneuerbaren Energien allein nicht, so hatte es der BDEW schon Anfang des Jahres festgestellt. Ebenso wichtig ist der Netzausbau, so dass die stetig wachsende Menge erzeugter erneuerbarer Energien aufgenommen und ohne Verluste transportiert werden kann.

Bislang wurden mehrere Milliarden für den Netzausbau berechnet (u. a. Die Welt ). Heute berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung  von einer neuen Technologie, die der Netzbetreiber Amprion nach eigener Aussage gerade erfolgreich getestet hat. Sollte sich dieses Verfahren durchsetzen, könnten neue Netze überflüssig werden und der Ausbau des deutschen Höchstspannungsstromnetzes deutlich beschleunigt werden. Weitere Vorteile der Technik liegen darin, dass mit geringeren Kosten gerechnet werden sowie – da es sich nur um eine Erweiterung des bestehenden Netzes handelt – mit weniger Widerstand aus der Bevölkerung gerechnet werden könnte, da der Zubau neuer Leitungen größtenteils entfallen würde. 

Auf bereits bestehenden Trassen könnte mit dem von Amprion getauften „Ultranet“ bestehende Masten und Leitungen so umgerüstet werden, dass sie mehr als doppelt so viel Windstrom aus dem Norden in den Süden transportieren könnten.

Doch bislang fehlen noch wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung. Zum einen fehlen die Genehmigungen der Behörden, zum anderen ein „ausreichend zuverlässiges Windstromangebot“ wie es in der FAZ heißt. Doch günstig wird die neue Technologie auch nicht: Benötigte Hochspannungsgleichstromkonverter werden von Siemens, ABB und Areva hergestellt und kosten rund 300 Millionen Euro – pro Stück.