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Bundeskabinett beschließt Energiewende

06.06.2011

Mögliche Folgen für die Industrie

Foto: Global2000/flickr.com

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, dass die Koalition an diesem Montag die entscheidenden Gesetzesinitiativen zur Energiewende auf den Weg bringen möchte. Dazu zählt neben dem Ausstieg aus der Atomenergie auch der Ausbau erneuerbarer Energien.

Bis 2020 soll ein Ökostromanteil von 35 Prozent erreicht werden.
Nun hat das Kabinett zunächst den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen – dazu zählt das endgültige Aus für acht AKW sowie eine stufenweise Abschaltung der übrigen Atomkraftwerke bis 2022 (vgl. FAZ). 2015 soll Grafenrheinfeld (Bayern) vom Netz gehen, 2017 folgt Gundremmingen B (Bayern) und 2019 Philippsburg II (Baden-Württemberg), in 2021 Grohnde (Niedersachsen), Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Gundremmingen C (Bayern). Als letzte Kernkraftwerke würden 2022 Isar II (Bayern), Neckarwestheim II (Baden-Württemberg) und Emsland (Niedersachsen) abgeschaltet werden.

Geplant sind u. a. zehn Windparks im Meer, die über ein Förderprogramm der KfW unterstützt werden sollen. Die Einspeisevergütung für Strom aus Wind soll um 2 auf dann 15 Cent/kWh steigen – garantiert für 12 Jahre. Auch für Wasserkraft und Geothermie wird eine höhere Einspeisevergütung diskutiert (vgl. News Württembergische Energie). Dagegen soll die Vergütung für Strom aus Windenergie an Land künftig sinken.

Die Bundesregierung dringt auf mehr Kompetenzen im Netzausbau. Ein Beschleunigungsgesetz soll die Bau- und Planungszeiten um mehr als die Hälfte auf dann vier Jahre verkürzen. Eine Neuregelung der Verantwortung für die Stromnetze mit einem „Bundesnetzplan“ soll die Planung erleichtern.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet von Warnungen der SPD. Bei den geplanten Milliardeninvestitionen in erneuerbare Energien und Netzausbau, ist mit steigenden Kosten zu rechnen. Es drohe der Verlust von Arbeitsplätzen, sofern der Atomausstieg mit zusätzlichen Kosten für die Produktion gleichzusetzen sei. Die Regierung plant einen Energie- und Klimafonds, der bis zu 500 Millionen Euro kompensieren soll. Allerdings wird im Gegenzug von den Betrieben erwartet, dass sie bis 2013 selbst einen Beitrag zu Energieeinsparungen nachweisen. Da dem gegenüber Kosten in Milliardenhöhe stehen, rechnen Experten dennoch mit Mehrkosten. Wer diese tragen muss, ist bisher nicht geklärt.

Atomausstieg in Deutschland

03.06.2011

Bedeutung und Konsequenzen

Foto: Global2000/flickr.com

Nach dem Beschluss der Bundesregierung zu 2022 aus der Atomenergie auszusteigen, überschlagen sich die Medien mit Meldungen zur Energiewende. Unterschiedlichste Szenarien werden dargestellt.

Was der Ausstieg aus der Atomenergie für die Wirtschaft bedeutet, ist nicht konkret abzusehen. Während ranghohe Wirtschaftsvertreter den Ausstieg sowie die erwarteten Mehrkosten für die Industrie kritisieren, sehen andere auch eine Chance für die Wirtschaft. Es könnte positive Auswirkungen auf die Exportleistung haben, dass Deutschland bereits heute „Weltmeister“ im Bereich erneuerbarer Energien ist. Auch als Partner zum Thema Energieeffizienz könnte sich Deutschland weiterhin profilieren – und davon profitieren (vgl. FAZ, Printausgabe, 03.06.2011, S. 13).

Für die Förderungen von erneuerbaren Energien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz stehen Änderungen an. Denn die Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie ist mit hohen Kosten verbunden. Aktuell wird diskutiert, ohnehin angesetzte Kürzungen zeitlich vorzuziehen. Denn eine Reform des EEG war bisher erst zum Jahreswechsel geplant. Wenn die Investitionen in erneuerbare Energien steigen, steigen auch notwendigen Zuschüsse durch den Staat. Um diese möglichst gering zu halten, soll die Einspeisevergütung insbesondere für Photovoltaik gesenkt werden. Auf der anderen Seite vermuten Experten, dass die EEG-Umlage, die von allen Verbrauchern getragen wird, von aktuell 3,53 Cent/kWh ebenfalls sinken wird. Die FAZ (vgl. Printausgabe, 03.06.2011, S. 13) schreibt, dass selbst wenn ein Höchstsatz von 3,5 Cent/kWh für 2012 festgelegt würde, sich die Umlage eher bei 2,7 - 3 Cent/kWh einfinden wird.

Unumstritten ist, dass mit der Energiewende viele Kosten auf Deutschland hinsichtlich des Netzausbaus sowie des Ausbaus erneuerbarer Energien und konventioneller Kraftwerke (Kohle, Gas) zukommen werden. Zwar hält die Bundesregierung an der Brennelementesteuer fest, doch diese Einnahmen sind bereits verplant und fallen durch den Wegfall von sieben AKW jährlich um rund 1 Milliarde EURO geringer aus als erwartet (vgl. News Württembergische Energie).

Nachdem der Beschluss zum Aus der Atomenergie der Bundesregierung bekannt wurde, stieg der Strompreis weiter an. Eine weitere Tendenz nach oben zeichnet sich ab (vgl. www.eex.com/de).

Bundesregierung beschließt Atomausstieg

30.05.2011

Bis 2021 sollen alle Meiler vom Netz

Foto: Liquid Oh/flickr.com

Der Spiegel schreibt am 30.05.2011, dass seit Sonntagnacht der schwarz-gelbe Fahrplan für den Atomausstieg steht. Nach Beschluss der Bundesregierung sollen theoretisch bis 2021 alle Meiler vom Netz, doch drei Meiler könnten – falls bei einer problematischen Energiewende Bedarf bestehe – erst ein Jahr später abgeschaltet werden. Die aktuell vom Netz genommenen AKW sollen nach Röttgen nicht wieder ans Netz genommen werden. In der Reaktion steigt der Strompreis an der Energiebörse (vgl. www.eex.com/de).

Ein Meiler soll als „Puffer“ erhalten bleiben. Sofern durch Wetterbedingungen nicht ausreichend Strom produziert werden könnte oder Importe nicht ausreichend zuverlässig sein sollten, könnte der „Reservemeiler“ mögliche Engpässe abfedern.

Die Brennelementesteuer ist bis 2016 befristet und sollte dem Bund bei ursprünglich geplanter Laufzeit rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr einbringen. Während der Debatte um den Atomausstieg war von unterschiedlichen Seiten ein Kippen der Steuer gefordert worden. Dagegen hat sich die Bundesregierung nun bei ihrem Treffen ausgesprochen. Doch die Einnahmen sinken nach dem Aus für die alten AKW auf etwa 1,3 Milliarden Euro.

Nach den geplanten Änderungen im EEG von Umweltminister Norbert Röttgen (vgl. News Württembergische Energie) planen auch Umwelt- und Energieexperten von Union und FDP eine Kürzung der Solarförderung. Die garantierten Preise für Solarstrom sollen im Verhältnis zur steigenden Kapazität gesenkt werden.

An diesem Montag werden die Parteien zusammensitzen und über den Atomausstieg beraten. Die bisherigen Reaktionen der Parteien sind gemischt. Die Ethikkommission legt heute ihren Abschlussbericht vor. Sie empfiehlt einen Atomausstieg bis spätestens 2021.

Ausstieg aus Atomenergie

23.05.2011

Politik befürwortet unterschiedliche Zeitpunkte für einen Ausstieg

Foto: Global2000/flickr.com

Die Betreiber von Hochspannungsnetzen wie 50 Hertz, Tennet, Amprion und EnBW teilten laut Frankfurter Allgemeine Zeitung (vgl. FAZ, Printausgabe, 23.05.2011, S. 1 und S. 3) ein steigendes Risiko für Netzstörungen mit. Denn Stromreserven und andere Netzeingriffsmöglichkeiten seien bald erschöpft. Blieben die aktuell acht abgeschalteten AKW weiterhin vom Netz, wachse die Gefahr großflächiger Stromausfälle.

Indes ist sich die Politik über das weitere Vorgehen weiterhin uneinig . Die SPD spricht von einem Ausstieg bis spätestens 2017, die Linkspartei plädiert für 2014. Das energiepolitische Konzept der CSU sieht nach Berichten der FAZ einen Ausstieg Bayerns aus der Atomenergie bis spätestens 2022 vor.

Die am Wochenende vorgestellten Pläne der CSU sehen einen Zubau von 1.500 Windkraftanlagen (Steigerung von Windkraft von 1 auf 10 Prozent), neue Solarkollektoren auf 15.000 Hektar (Steigerung von 4 auf 16 Prozent), einen Zuwachs von Energie aus Biomasse (von 8,5 auf 10 Prozent), Wasserkraft (von 15 auf 17 Prozent) und Geothermie (von 0,02 auf 1 Prozent). Die übrige Energie (rund 50 Prozent) solle durch Gaskraftwerke gewonnen werden. Einige neue will die CSU bauen und damit die Absicherung der Grundlast garantieren. 

Unterschiedliche Reaktionen auf Sicherheitsbericht

19.05.2011

Wie sicher sind Atomkraftwerke in Deutschland?

Foto: dierk schaefer/flickr.com

Nach der Veröffentlichung des Sicherheitsberichts durch die Kommission für Reaktorsicherheit, hat der „Atomstreit“ die Politik erreicht. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet am Donnerstag über die Debatte „Zukunft der Atomenergie“ in der deutschen Politik. Insbesondere die Frage nach dem Schutz vor möglichen Flugzeugabstürzen beschäftigt die Politik. Aktuell ist keines der Atomkraftwerke gegen einen Aufprall einer großen Passagiermaschine gesichert. Biblis würde nicht einmal einem Kleinflugzeug standhalten. Ob eine ausreichende Sicherung überhaupt nachrüstbar ist, ist fraglich.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen deutete zur Veröffentlichung des Berichts das mögliche Aus der AKW in Südhessen an. Für den 6. Juni ist die Entscheidung des Bundeskabinetts über den Betrieb der deutschen Atomkraftwerke angesetzt (vgl. FAZ, 18.05.2011).

Derweil hält RWE, Betreiber von Biblis, an seiner Klage gegen die Stilllegung fest. Der Verhandlungstermin steht bislang nicht, allerdings hat das Gericht bereits einen Streitwert festgesetzt. Dieser liegt bei 30 Millionen EURO und damit bei der gesetzlichen Höchstgrenze.