KW 28/2021 — Marktinformation

16.07.2021

„Fit-for-55“-Programm der EU-Kommission

Marktumfeld

Im Fokus des Programms stehen unter anderem die:

Mit der Vorstellung der EU-Reformpläne am 14. Juli 2021 hat die EU-Kommission neue Impulse gesetzt, wie Europa seine Klimaziele erreichen soll. Die Vorschläge beinhalten Änderungen im Hinblick auf den europäischen Emissionshandel, Energieeffizienz sowie erneuerbare Energien.

  • Einführung eines CO2-Handels für den Verkehrs- und Gebäudebereich (ab 2026),
  • einmalige Reduktion von CO2-Zertifikaten um 117 Millionen sowie die in Folge erhöhte lineare Verringerung um 4,2?% jährlich (zuvor 2,2?%),
  • Verknüpfung der kostenlosen CO2-Zertifikatezuteilung an Investitionen in Energieeffizienz und Emissionsminderung – bis 2036 und mit Einführung der CO2-Grenzsteuer sollen der Industrie keine kostenlosen CO2-Zertifikate mehr zugeteilt werden,
  • Erhöhung der Energieeinsparung bei der Endenergie (36?%) sowie beim Primärenergieverbrauch (39?%) bis 2030 – bisher 32,5?%, sowie
  • Erhöhung des Erneuerbaren-Ausbauziels auf 40?% bis 2030 (bisher 32?%).

In der kurzen Frist lassen sich nur in geringem Maße Effekte des „Fit-for-55“-Programms auf die Energiemärkte ausmachen, da der Verabschiedungsprozess durch das EU-Parlament sowie den -Ministerrat erfahrungsgemäß bis zu 24 Monate in Anspruch nehmen kann. 

Dennoch besteht das Risiko, dass etwaige Verlautbarungen innerhalb des Prozesses kurzfristige Preissteigerungen am CO2-Markt nach sich ziehen können.


CO2

Die Handelswoche (KW 27) startete mit 57,87 Euro/Tonne für den Dec/21 und fiel bis zum Montag der Folgewoche (KW 28) auf 51,71 Euro/Tonne – ein Rückgang von ca. 10 %. Unterstützende Faktoren, wie Wetterprognosen sowie weiterhin feste Gas-, Kohle- und Strompreise, konnten, wie vor der Veröffentlichung des „Fit-for-55“-Programms ursprünglich vermutet, den Preis nicht über die Marke von 60 Euro/Tonne heben. Die Lenkungswirkung, die dem Zertifikathandel im Rahmen des Reformpakets zugesprochen wird – CO2-Einsparungen von 61 % bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2005 zu erzielen – hält in der Folge signifikantes Preissteigerungspotential für die Zukunft bereit.


Kohle und Erdöl

Am Kohlemarkt wurden zum Wochenbeginn (KW 27) 87,20 Dollar/Tonne aufgerufen. Vergleichbar stabil blieb der Preis für Kohle auch im Verlauf der Woche und notierte am Montag (KW 28) bei 88,10 Dollar/Tonne. Eine anhaltend geringe Einspeisung aus erneuerbaren Energien und die damit verbundene erhöhte Stromnachfrage aus fossilen Kraftwerken in Europa lassen Rückschlüsse auf weitere Preissteigerungen in der kurzen Frist zu.

Nach den gescheiterten Gesprächen der OPEC zur Erhöhung der Fördermengen für August bis Dezember 2021 zum Anfang der KW 27 konnten sich Befürchtungen einer globalen Unterversorgung mit Öl auch im Verlauf der Woche nicht ganzheitlich ausräumen lassen. Meldungen am Donnerstag (KW 28), wonach sich die OPEC auf eine Erhöhung der Fördermengen auf 400.000 Barrel/Tag bis Ende 2022 verständigt habe, hatten nur kurzzeitige Reaktionen zur Folge. Im Vergleich zur Vorwoche (KW 27) legte der Preis/Barrel allerdings um 4,5 % auf 76,14 Dollar/­Tonne zu.


Strom 

Terminmarkt

Das unmittelbare Frontjahr 2022 wurde am Donnerstag (KW 28) für 73,74 Euro/MWh gehandelt und liegt somit auf dem Niveau der Vorwoche (KW 27). Die Lieferjahre 2023 und 2024 notierten bei 65,11 bzw. 61,68 Euro/MWh leicht höher. Dennoch blieb der Strommarkt von den gesunkenen Emissionszertifikat-Preisen weitestgehend unbeeindruckt. Korrekturen nach oben sind in der Folgewoche nicht gänzlich auszuschließen.

SPOT-Markt

Der durchschnittliche SPOT-Markt-Preis für Strom im kurzfristigen Handel lag in der KW 27 bei ca. 90 Euro/MWh. Für feste Preise sorgt auch weiterhin die geringe Wind- und Solarstromeinspeisung. Laut Wettermo­dellen ist auch in naher Zukunft, neben einzelnen Ausnahmen, nicht von einer Trendwende auszugehen.


Erdgas

Terminmarkt

Das unmittelbare Frontjahr 2022 im NCG wurde am Donnerstag (KW 28) mit 25,06 Euro/MWh gehandelt – 26,70 Euro/MWh in der Vorwoche. Die Lieferjahre 2023 bis 2025 notierten in der Spanne zwischen 19,61 und 17,62 Euro/MWh. Weiterhin sorgen niedrige Speicherstände sowie eine zunehmende Gasverstromung für feste Preise.

SPOT-Markt

Der durchschnittliche SPOT-Markt-Preis für NCG-Gas im kurzfristigen Handel lag in der KW 27 bei ca. 34 Euro/MWh. Faktoren, wie Wettersituation, Speicherstände, Wartungsarbeiten, hohe LNG-Preise und geringere ­Lieferungen nach Europa trieben die Preise in der Vorwoche nach oben.


Zusammenfassung und Ausblick

Strom: Stützende Faktoren, wie die Veröffentlichungen zur Reformierung des ­
EU-Emissionshandels, hatten in der Folge nur einen bedingten Einfluss auf das Frontjahr 2022. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass die aktuelle Seitwärtsbewegung nur eine Momentaufnahme darstellt. Der Mehrbedarf an fossilen Kraftwerkskapazitäten sowie die weitere Verknappung der am Markt verfügbaren CO2-Zertifikate, können zusätzlich eine preistreibende Wirkung entfalten.

Gas: Das hohe Preisniveau der KW 27 im Hinblick auf das Frontjahr 2022 dürfte auch in der kommenden KW 29 weiter fortwähren. Im Hinblick auf die nachgelagerten Lieferjahre 2023 bis 2026 bieten sich im aktuellen Terminmarktumfeld immer noch Möglichkeiten, um Gasmengen zu fixieren.

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